Wissenschaftler kommen zu Wort
Das Göttliche kann der Mensch nicht mit dem Verstand, sondern nur mit dem Gefühl aufnehmen.
Das Göttliche kann der Mensch nicht mit dem Verstand, sondern nur mit dem Gefühl aufnehmen. Bruno Gröning
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Wie konnte es dazu kommen?

Ergänzung zum Bericht von G. S. zur Geschichte der Evolutionstheorie
von Dipl. Theologe K. F. und Dipl.-Ing. M. F.

In der Wahrnehmung der Welt war der Mensch stets mit der Frage konfrontiert: was hat mehr Wirklichkeit, das Materielle oder das Geistige? Im Laufe der Geschichte wurden für beide Sichtweisen viele Argumente für und wider gefunden.

Wissenschaft in den Klöstern des Mittelalters

In den Klöstern des Mittelalters entwickelte sich die Wissenschaft zu einem gewichtigen Machtfaktor. So blieben über lange Zeiträume in Europa Religion und Wissenschaft eng verbunden. Es entstanden große Bibliotheken mit wertvollen Schriften, Urkunden und Archiven. In den Klosterschulen wurden die jungen Priester ausgebildet, die ihrerseits wieder das erworbene Wissen in die Welt trugen. Da die Klöster oft die einzigen Orte waren, in denen das Kulturgut "Wissen“ gepflegt und weitergegeben wurde, hatten die Klosterbrüder im Mittelalter einen großen Einfluss in geistiger und religiöser Hinsicht auf die Bevölkerung.

Lesen und Schreiben sollte der Beschäftigung mit der Bibel dienen, und nur die Kirche verfügte über die Mittel, die Menschen lesen zu lehren. So waren die Wissenschaftler zugleich Priester oder Mönche, die sich neben ihren wissenschaftlichen Studien auch um die Verbreitung der kirchlichen Lehre zu kümmern hatten.
Somit bildeten Wissenschaft und Religion eine „Einheit“.

Trennung von Relgion und Wissenschaft

Seit René Descartes (1596 bis1650) begannen sich jedoch Wissenschaft und Religion zu trennen und unversöhnlich gegeneinander zu stehen. Es entstanden erste unabhängige Schulen und Universitäten und es kam die Frage auf, existiert das Geistige überhaupt?

In diese Zeit hinein kam im Jahre 1859 Charles Darwin mit seinem Werk „Entstehung der Arten“ und gab die Erklärung, wie alles Leben durch Zufall und Überleben des Stärkeren, d. h., ohne einen Gott, entstanden sein kann. Die Bedenken, die Darwin selbst an seiner Theorie zweifeln ließen, blieben im damaligen gesellschaftlichen Umfeld weitgehend unbeachtet. Zu groß war das Streben, vom Einfluss der Religionen frei zu werden.


Aktuelle geschichtliche Betrachtungen dazu

Thomas Junker beschreibt 1989 in seinem Buch „Darwinismus und Botanik“, wie die Lehre Darwins von Anfang an von den Zeitgenossen aufgenommen wurde. „Die Darwinismus-Debatte wurde offensichtlich von Anhängern wie Gegnern als Fortsetzung des berühmten Materialismus-Streits aufgefasst.“ [1]. 

„Wenn bis zur Mitte der 70er Jahre (1870, d. Verf.) der Darwinismus eine Quelle der Begeisterung war, so ist dies vor allem auch seinem antireligiösen Moment zuzuschreiben“ [2]. 

Junker hebt weiterhin hervor, dass „der Erfolg von Darwins Abstammungslehre mit darauf zurückzuführen ist, dass er im Gegensatz etwa zu Lamarck oder zu den romantischen Naturphilosophen einen plausibel empfundenen Mechanismus vorweisen konnte“ [3]. 
„Das Überleben des Tüchtigsten“ wurde zu einem populären Begriff, der in der Alltagswelt des viktorianischen Englands seine Rolle gespielt hat, wie Rupert Riedl in seiner „Kulturgeschichte der Evolution“ aufzeigt. [4]. 

In der Zwischenzeit hat sich die Brauchbarkeit des Evolutionsbegriffs in vielen Bereichen der Biologie erwiesen, besonders in der Verhaltensforschung und Vererbungslehre.

Gerhard Börner weist darauf hin, dass die rein naturwissenschaftliche Betrachtungsweise keinen Platz lässt für „Geist“, „Wille“ oder „Gefühl“; der Beobachter ist in der Beobachtung nicht unterzubringen [5].  Demnach wäre Liebe nichts anderes als die Reaktion einiger Nervenzellen, das Gefühl wäre reine Illusion. Der Descartessche Ansatz, die Wahrnehmung der Dinge auf das Greifbare zu reduzieren, bietet Verlockung für eine vereinfachte Weltsicht, die letzten Endes kühl und stumm bleibt.

Die scholastische Theologie hatte über viele Jahrhunderte die Denkrichtung vorgegeben, was die Entstehung des Lebens betrifft. In Berufung auf Aristoteles sprach sie vom „ersten Beweger“. Für alles muss es eine letzte Ursache geben, und das ist Gott, und dieser wiederum braucht keine Ursache! Das liberale Bürgertum des 19. Jahrhunderts wandte sich gegen die Vorherrschaft der Religion im Denken und täglichen Leben. Zudem ließ die kopernikanische Wende Zweifel aufkommen an der Richtigkeit der biblischen Aussagen. Sogenannte „Gottesbeweise“ wurden mehr und mehr abgelehnt.

Für den Naturwissenschaftler gehört heute die Evolutionstheorie zum „Standard“, zur selbstverständlichen Voraussetzung seiner Arbeit, auch wenn sie, wie wir oben gesehen haben, durchaus ihre Grenzen hat.

Das sind nur einige der Umstände, welche die breite Akzeptanz der Theorie Darwins in den ersten Jahrzehnten nach Erscheinen – trotz mancher Kritik und Ablehnung – verständlich machen.

Nach dem Stand der Wissenschaft zur damaligen Zeit hat Darwin reichlich wissenschaft­liche Beweise für seine Theorie geliefert, ganz besonders die Anpassung der Arten an die Umweltbedingungen. Er hat aber nicht den Urgrund beschrieben, der zum Entstehen des Lebens führt und somit Gott als letzte Ursache nicht ausgeschlossen. Erst in späterer Zeit wurden Bausteine des Lebens erkannt, z. B. das DNA-Molekül. Auch die damals bereits bekannte vis vitalis (Lebenskraft), wurde als solche in seinen Arbeiten nicht erwähnt.

Aus der inneren Freiheit beginnt die echte Erkenntnis

Es sieht so aus, als habe sich der Mensch in den letzten vier Jahrhunderten gedanklich einen Schutzraum gesucht vor der Frage nach Gott.

Ein solcher Schutzraum kann heißen „Materie“ oder „Vernunft“. Es scheint auf jeden Fall bequem, Fragen nach Transzendenz oder letzter Verantwortung ausweichen zu können. So entstanden z. B. Vorstellungen wie die, Gott habe sich wie ein Uhrmacher von seinem Werk, der Uhr, zurückgezogen und beobachte nur noch, wie die Uhr abläuft. Auch die Evolutionslehre mit der vermeintlichen Annahme, es gebe keinen Schöpfer, wurde für viele zu solch einem Schutzraum, der Anlass gab, sich nicht mehr mit der Gottesfrage zu beschäftigen.

Interessant ist, dass in der Physik Evolution anders definiert wird, der Dialog mit der Theologie ist bereits gut in Gang gekommen. In der Physik werden die Grenzen der wissenschaftlichen Erkenntnis durchaus anerkannt. Einige verwenden bereits Begriffe wie „Geist“, um das Unbegreifbare in den kleinsten Teilchen der Materie zu umschreiben. Hans-Peter Dürr: „Das Geistige ist für mich fundamental, und ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass es keine Materie gibt, sondern nur Geist“. [6]

Sicher ein gutes Vorbild für andere Fachbereiche.

Was hat die Lehre Bruno Grönings damit zu tun?

Heute erhalten wir durch die Lehre Bruno Grönings und das Heilungsgeschehen auf geistigem Weg eine große Hilfe zum Verständnis dieser Glaubensfragen. Das geistige Wirken von damals und heute bezeugt, dass ihm ein Wissen aus höheren geistigen Quellen offen stand, das zu den Gesetzen der Natur nicht im Widerspruch steht, sondern dieses sogar verständ­licher macht.

„Die Natur ist Gott“, sagte Bruno Gröning. Hier wird die Natur als Ganzes gesehen, als einzige lebendige Größe, die immer Neues hervorbringt, noch feiner, noch komplexer. Wer mit solch einem Blick an das Studium der Natur herangeht, tut sich leichter, die vielen „grenzüberschreitenden“ Zusammenhänge zu erkennen.

Bruno Gröning brachte es auch auf den Punkt, indem er sagte: „Wer kann diese Wunder bewirken? Glauben Sie, ein Mensch? Ich sage: Nein! Das kann nur Einer, nur Gott selbst.“ 

Weil Gott die Natur selbst ist, kann er sie auch heilen: Die Natur der Mineralien, der Pflanzen, der Tiere und besonders der Menschen. Wie sonst könnten Menschen plötzlich von jederart Leiden ohne jede Behandlung gesunden, nur dadurch, indem sie den Glauben an das Gute, an Gott aufnehmen und sich auf den Empfang der göttlichen Kraft, den „Heilstrom“, einstellen.



Erläuterungen und Quellen

 

[1] Thomas Junker, Darwinismus und Botanik, Stuttgart 1989. S.291

[2] Thomas Junker, S. 302

[3] Thomas Junker, S. 295

[4] Rupert Riedl, Kulturgeschichte der Evolutionstheorie Die Helden, ihre Irrungen und Einsichten, Berlin 2003, S.69

[5] Gerhard Börner, Schöpfung ohne Schöpfer? München 2006, S. 193ff

[6] Dürr, Meyer-Abich, Mutschler, Pannenberg, Wuketits, Gott, der Mensch und die Wissenschaft, Augsburg 1997, S.118