Wissenschaftler kommen zu Wort
Wenn innere Ruhe da ist, gelingt alles. Ich liebe die Ruhe, die Ordnung und den Frieden. Bei Unruhe entsteht Unordnung und Unfrieden.
Wenn innere Ruhe da ist, gelingt alles. Ich liebe die Ruhe, die Ordnung und den Frieden. Bei Unruhe entsteht Unordnung und Unfrieden. Bruno Gröning
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Mein neuer Lebensweg im Bruno Gröning-Freundeskreis

Bericht von Herrn Dipl.-Musiker U. G., Kammermusiker und Kammervirtuose (2012)

Als Kind im Jesuitenkloster

Ich wurde als Kind in eine Musikerfamilie hineingeboren. Nach wenigen glücklichen Jahren als kleines Kind, wurde mein Vater gewalttätig gegen meine Mutter und gegen mich. Weil meine Eltern keinen Platz und keine Zeit für mich hatten und mein Vater mich loswerden wollte, kam ich beim Wechsel von der Grundschule zum Gymnasium in ein katholisch-jesuitisches Klosterinter­nat.

Im Internat hatten wir zwar sehr gute, junge, engagierte Patres, aber so hart wie das Leben im Klosterinternat ist es eigentlich nur im Jugendknast. Wir Kinder hatten endloses Heimweh und fühlten uns verlassen und verstoßen. Der feste Glaube an Gott war für uns sehr wichtig, er war der ein­zige Trost für uns Kinder, sonst wären wir alle an diesem schrecklichen Heimweh und an Ängsten zer­brochen. Wir Kinder fühlten uns sehr nahe zu unserem Gott und der ganzen göttlichen Familie.

„Freiheit“

Im Kloster waren wir vor „der Welt da draußen“ geschützt und fühlten uns gut behütet und vor allem im Glauben gut aufgehoben.
Als nach dem Abitur die Tür des Klosters zur “Freiheit“ aufging, wollte ich zuerst alles wissen, was in der Welt außerhalb der Klostermauern geschieht und was es zu erleben gibt. Dabei wurde ich vom Fleck weg von der Welt einkassiert, ohne die Verbindung zu meinem Herrgott halten zu können, und verlor meinen ganzen Glauben. So weit ich die vielen Jahre auch von meinem Gott entfernt war, blieb in mir jedoch immer die Sehnsucht: „Egal was kommt, aber meinen Glauben will ich wiederhaben.“ Wie das geschehen könnte, war mir völlig unklar.

Mein Weg zur Musik

Nach dem Abitur studierte ich Musik. Schon als Kind und Schüler ist meine musikalische Begabung über die Begabtensonderförderung entdeckt und gefördert worden. Mein Musikstudium absolvierte ich an zwei Universitäten. Nach dem Examen begann ich zunächst für einige Jahre eine sogenannte Provinztour mit Engagements in kleineren Sinfonieorchestern und an kleineren Opernhäusern. Als junger Musiker ist es zunächst notwendig Erfahrung zu sammeln, d. h. sich ein umfangreiches Repertoire an Opern, Sinfonien und sonstigen Werken anzueignen. Außer der makellosen Beherrschung seines Instrumentes ist das Voraus­setzung, um als junger Musiker an große Häuser mit guter Bezahlung zu kommen. Letztendlich will man ja mit seinem Beruf auch das Geld zum Leben verdienen können. Ich schaffte es Gott sei Dank, in einem großen, international anerkannten, wunderbaren Opernhaus eine feste An­stellung zu finden.

Neue religiöse und spirituelle Wege

Durch meine berufliche Laufbahn an dem wirklich internationalen Haus waren wir viel auf Konzertreisen sowie Opern-Tourneen und ich konnte in zahlreichen Ländern in die verschiedenen Religio­nen hineinschnuppern und mich auch mehr oder weniger lange darin aufhalten. Dabei spürte ich eine starke Affinität zum Schintoismus und Buddhismus. Der meditative Weg dieser beiden Glaubensrichtungen sprach mich in seiner Einfachheit und Ehrlichkeit sehr an. Besonders in Japan habe ich mich wie zu Hause gefühlt, weil dort die Glaubensfreiheit wirklich gelebt wird.

Mein erster Kontakt mit der Lehre Bruno Grönings

Vor eineinhalb Jahren bekam ich ein gutes Angebot für ein Lehramt. Dazu wollte ich mich, um möglichst unabhängig zu sein, am Computer fit machen lassen. Bei der Volks­hochschule meldete ich mich zu einem umfangreichen EDV-Kurs an. Dort war eine sehr gute Kursleiterin, eine sehr nette Kursleiterin, die ich im Laufe der Zeit sehr lieb gewonnen habe. Heute ist sie meine Lebensgefährtin.

Irgendwann kam das erste Kaffeetrinken in ihrer kleinen, entzückenden Wohnung. Ich bemerkte sofort das Bild eines Mannes, das auf seltsame Weise meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Zuerst dachte ich, es wäre vielleicht ihr Vater oder ihr Ehemaliger. Also habe ich sie einfach mutig danach gefragt. Alles was sie mir dann über den Mann auf dem Bild - Bruno Gröning - erklärte, fühlte sich für mich sehr nah an, nichts was mich störte. Das interessierte mich sehr, also bekam ich von ihr Literatur zum Lesen. Ich wollte einfach mehr wissen.

Mein erstes Einstellerlebnis

Im Mai 2011, an einem sehr schönen Frühlingsabend, standen wir in einer riesigen Blu­menwiese bei Sonnenuntergang. Meine Frau erklärte mir, was das sogenannte „Einstellen“ ist und dass man nur seine Hände nach oben öffnen müsse und dann ohne Erwartung mit offenem Herzen wie ein Kind warten, was man im Körper spüre. Ich wollte wissen, wie sich das anfühlt, und habe einfach mitgemacht. Das Ambiente war dafür hervorragend. Ich vertraute ihr völlig und konnte mich gut darauf einlassen.

Ich war ja von Kindheit an mit christlich-jesuitischer oder später mit anderen Meditationen vertraut. Ich erwartete daher einfach nur eine neue Variante der mir bekannten Methode. Doch was ich nun durch das bloße Öffnen der Hände erlebte, übertraf alle bisherigen Erfahrungen. Ich fühlte eine so große Energie in mich einströmen, wie ich es noch nie erlebt hatte. Erst fühlte ich mich leicht und voller Freude, dann überflutete mich eine nie gekannte, mächtig umarmende Kraft, die mich förmlich nach oben zog.

Der „Heilstrom“, also die Energie oder Kraft, die Gott den Menschen sendet, wenn sie in die Stille gehen und ihr Herz der Liebe öffnen, wurde so überwältigend stark, dass ich das Einstellen abbrechen musste, weil ich nicht mehr einschätzen konnte, was da mit mir geschah. Diese erste Erfahrung des Einstellens war für mich ein tiefes spirituelles Erlebnis. Danach erlebte ich auch eine Heilung an meinem Daumen.

Daumenheilung

Beim Zuschlagen der Autotür klemmte ich mir den Daumen ein, der unter sehr starken Schmerzen aufplatzte. Die Wunde heilte über Wochen nicht zu. Es blieb ein tiefer Riss, der immer wieder blutend aufplatzte und schmerzte. Meine Ärztin sagte, dass es sich um wildes Fleisch handle und dass die Wunde operiert werden müsse. Aus Zeitgründen ließ ich mich aber nicht operieren und ertrug die Wunde über 6 Wochen, bis zu meinem ersten Einstellerlebnis Anfang Mai 2011.

Danach, an diesem Abend, verwendete ich wie in den Wochen zuvor nur ein normales Tape Pflaster, um die Wunde abzudecken und zu schützen. Am nächsten Morgen war das Pflaster, das sonst so fest klebte, einfach abgefallen. Als ich auf die Wunde schauen wollte, konnte ich zu meinem Erstaunen nichts mehr davon erkennen. Es war alles abgeheilt, die Haut ganz glatt und nicht einmal eine Narbe war sichtbar. Gott sei Dank hat meine Frau das alles hautnah miterlebt, ich hätte sonst massiv an meinem Verstand gezweifelt. Die Gefühle, die ich bei diesem Erlebnis hatte, sind kaum zu beschreiben. Sie schwankten zwischen ungläubiger Angst und gotterfüllter Dankbarkeit.

 

Informationsvortrag

Nicht viel später ging ich in einen Informationsvortrag, denn jetzt wollte ich natürlich noch mehr wissen. In diesem Vortrag bekam ich extrem starke Schmerzen in meinem rechten Fuß wie nie zuvor, die sich von den Zehen bis zur Hüfte hinzogen. Nach dem Vortrag waren die Schmerzen weg und meiner Frau fiel es zuerst auf, dass ich ohne Behinderung gehen konnte. Damit begann meine Heilung der Achillessehne in meinem rechten Fuß.

Ich kann wieder gut laufen

Im Winter 2009 krachte ich mit dem rechten Fuß in ein tiefes Maulwurfsloch. Die Achillessehne riss und musste operiert, d. h. wieder zusammengenäht werden. Die Operation an sich verlief ganz gut, nur war die Sehne danach extrem viel dicker und etwas kürzer als die des gesunden Fußes. Ich humpelte und hatte Wassereinlagerungen im Fuß. Wenn ich mit der Nadel in große Bereiche meines Fußes hineinpiekste, spürte ich überhaupt nichts. Auch hatte ich Gleichgewichtsstörungen und konnte nicht auf einem Bein balancieren, um mich z. B. im Stehen anzuziehen.

Innerhalb von 3 Monaten nach meiner Einführung in die Lehre Bruno Grönings im Mai 2011 waren alle Symptome verschwunden, selbst die Sehne hat wieder ihre normale Dicke. Eigentlich unvorstellbar... Ich kann wieder normal gehen, balancieren und fühle mich so, als hätte ich nie eine Behinderung am Fuß gehabt.

 

Einführung in die Lehre Bruno Grönings

Kurz darauf wurde ich offiziell in die Lehre Bruno Grönings eingeführt. Ich konnte für mich alles sofort annehmen und saß danach zum ers­ten Mal in einer, ab jetzt „meiner“, Gemeinschaft des Bruno Gröning-Freundeskreises. Im Kreis der Menschen, die nun plötzlich alle von Herzen meine Freunde sein wollten und es auch waren und sind, obwohl ich sie nie zuvor gesehen hatte. Es war mir, als wenn ich umarmt worden wäre. Ich war so gerührt, dass ich nur noch weinen musste. Auch in den nächsten Gemeinschaftsstunden und wenn ich mich zu Hause einstellte, brach ich immer in Tränen aus. Immer wieder kamen mir die Gedanken „Wo bist du die ganze Zeit gewesen?“ und auch die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn.

... und erlebte noch einige weitere Heilungen

Alkohol ist kein Thema mehr

Im Laufe meines Berufslebens war ich je nach beruflicher Stressbelastung oder privater Lebensumstände immer wieder sehr alkoholgefährdet, wenn nicht sogar abhängig. Ich bekam dies in den Griff, aber seitdem kreisten oft Gedanken um den Alkohol in meinem Kopf herum, ob ich es z. B. wagen dürfe, bei einem Treffen mit Freunden ein Bier oder einen Schnaps zu trinken, weil ich Bedenken vor einem Kontrollverlust hatte.

Heute ist Alkohol für mich überhaupt kein Thema mehr. Ich kann problemlos ein Bier oder auch zwei trinken und danach aufhören, oder auch gar kein Bier trinken – so wie ich mich fühle und wie ich mich aus der Situation heraus entscheide. Mein Verhalten ist wieder das eines Menschen, der nie in seinem Leben ein Alkoholproblem gehabt hat, und ich habe auch keinerlei Verlangen mehr danach.

Gewichtsabnahme

Ich hatte im Laufe von etwa zwei Jahren eine seelisch schwierige Lebenssituation zu bewältigen und auch wenig auf meinen Lebenswandel geachtet. Als Ergebnis hatte ich etwa 25 kg zu viel Gewicht und einen ziemlich umfangreichen Bauch bekommen. Es passten mir nur noch wenige Hosen und Oberteile. An sich konnte ich mich ganz gut mit der Situation arrangieren, gilt doch der Bauch in anderen Ländern als Zeichen von Wohlstand und Würde. Allerdings war ich zugegebenermaßen nicht gerade topfit und auch das Zubinden meiner Schuhe war ein Kunststück.

Seit meiner Begegnung mit der Lehre Bruno Grönings im Mai 2011 nahm ich innerhalb von zweieinhalb Monaten ohne Diät und ohne Sport einfach so und ohne Anstrengung, ja selbst ohne es bewusst anzustreben, 25 kg ab. Ich fühle mich jetzt leichter und beweglich. Ich bin glücklich, dass diese Gewichtsabnahme so ganz nebenbei ging und ich mich nicht einmal darum kümmern musste. Meine Schuhe binde ich jetzt wieder mit Leichtigkeit. Ich fühle mich jünger und auch sportlich leistungsfähiger.

Frei geworden von Valium und Herzmedikamenten

Etwa 20 Jahre war ich neben meinem Studium und meinem Beruf Amateursportler im Höchstleistungsbereich. Dadurch hatte ich ein vergrößertes, sogenanntes Sportlerherz. Dieses bereitete mir Probleme, nachdem ich im Jahre 1995 mit dem extremen Training und Wettkämpfen aufgehört hatte. Obwohl auf mein Ausscheiden aus dem Wettkampf­kader das obligatorische Abtrainieren des vergrößerten Herzmuskels über etwa zwei Jahre folgte, blieb mein Herz danach doch noch deutlich größer, als es für einen Nicht­leistungssportler gesund ist. Ich hatte daher Herzrhythmusstörungen und Extrasystolen, was besonders in meinem Beruf unangenehm ist und die musikalische Leistung auf dem Podium oder im Orchestergraben vermindert. Deshalb musste ich seit Beendigung des Abtrainierens verschiedene Herzmedikamente, vor allem Metroprolol und auch Diazepam (Valium) täglich einnehmen, welches stark abhängig macht.

Nach Einführung in die Lehre Bruno Grönings hörten die Herzrhythmusstörungen und Extrasystolen auf. Ich konnte die nun nicht mehr benötigten Herzmedikamente ohne jegliche Entzugssymptome absetzen. Vor allem das Absetzen von Valium ging entgegen der allgemeinen medizinischen Erfahrung erstaunlich schnell und ohne jegliche Entzugs­erscheinungen. Es geht mir jetzt hervorragend. Mein Herz arbeitet auch ohne Medikamente zuverlässig und regelmäßig.

Was mich aber noch mehr bewegt, ja tief berührt, sind ganz intensive, wunderbare Ereignisse, die nach dem ersten Einstellerlebnis geschehen sind, die ich mir überhaupt nicht erklären kann, obwohl ich in meinem Leben sehr viele Erfah­rungen im Geistigen gesammelt habe.

Den Glauben wiedergefunden

Was aber das Größte für mich war, dass ich nach Jahrzehnten wie selbstverständlich wieder beten konnte. Natürlich war ich in all den Jahren als Musiker für Kirchenkonzerte und Oratorien auch in Kirchen, aber nur für eine anständige Gage und nie zum Beten. Um das Kreuz habe ich immer einen großen Bogen gemacht und um meinen Herrgott bin ich immer so herumgeschli­chen. Dazu saß das Internat und die Klosterzeit noch viel zu tief in mir. Außerdem hätte ich ja erst noch beichten müssen, um zur Kommunion gehen zu können. Dazu fehlte mir der Mut und der Wille. Jetzt habe ich einfach ein ganz wunderbares Verhältnis zu meinem Herrgott geschenkt bekommen, voller Liebe. Es ist wieder alles in Ordnung.

Erstes Chor- und Orchesterwochenende – mein besonderes Erlebnis

Im Herbst 2011 ging ich zu meinem ersten Chor- und Orchesterwochenende im Bruno Grö­ning-Freundeskreis, was halbjährlich durchgeführt wird. Dort werden Musikstücke aufgenommen, die zum Einstellen für die Freunde besonders geeignet sind. Inzwischen war be­kannt geworden, was ich beruflich gemacht hatte und natürlich wurde ich gefragt, ob ich mitma­che. Voller gespannter Neugier habe ich gerne zugesagt. Für mich war es keine aufregende Angelegenheit zu Schallplattenaufnahmen zu fahren, da ich dies beruflich schon zigmal gemacht hatte. Es entwickelte sich aber ganz anders, als ich dachte und es mir jemals hätte vorstellen können.

Das Orchester des Bruno Gröning-Freundeskreises

Als ich am Aufnahmeort ankam, war dort ein kleines Kammerorchester versammelt. Es bestand aus ganz wenigen Musikern. Da, wo normalerweise zwei Bläser hingehören, war höchstens einer oder gar keiner. Was gespielt werden sollte, hatte ich vorab bekommen. Die Stücke waren nicht gerade einfach. Da kam der Konzertmeister auf mich zu, ein hervorragender Musiker und auch wie ich Profi und sagte mir: „Wir sind hier zu 80 bis 90 % Laien. Bitte stellen Sie sich darauf ein.“  Einstellen? Ich fühlte mich ein bisschen verunsichert und sagte mir: „Ok, machst hier deine Sache, schauen wir was passiert.“

Nachdem das Orchester die erste Stunde alleine geprobt hatte, war schon ein unglaublicher Leistungszuwachs zu bemerken. Ich war völlig irritiert, was da passierte. Der Raum füllte sich immer mehr mit einer warmen, schönen, leuchtenden Akustik. Die einzelnen Musiker wurden immer mehr zu einer großen Gemeinschaft. Das Klangbild kam immer mehr dem eines großen, guten Orchesters nahe.

Musiker im Bruno Gröning-Freundeskreis


Der Chor des Bruno Gröning-Freundeskreises

Nach der Mittagspause kam der Chor hinzu. Dieser Chor bestand aus ungefähr 100 Frauen und Männern, die sich am Morgen in einer Kirche eingesungen hat­ten. Auch die Sänger bekommen ihre Noten und Gesangsproben zugeschickt. Damit können sie zu Hause üben und kommen dann quasi mit ihrer Heimarbeit zu dem Treffen. Sie setzen sich zusammen und es funktioniert - eigentlich unvor­stellbar. Die Sänger haben außer dem morgendlichen Einsingen vorher keinerlei Proben. Das ist ein echtes Phänomen für mich, das geht eigentlich gar nicht.

Dann hat dieser Chor mit dem Orchester zusammen geprobt. Für mich war es so sensationell, wie der Chor eingesetzt hat, dass es mich richtig in den Stuhl gedrückt hat. Die Stimmen waren sauber, es war ein großes harmonisches Gefüge, was in sich ruhend ein großartiges Klangbild und eine enorme Ausstrahlung hatte. Ich war fassungslos, den Tränen nahe, dass so etwas möglich ist. Viele große Opernhäuser und Konzertsäle habe ich auf der Welt erlebt, keiner hatte auch nur die Spur von dieser Stimmung, von dieser Kraft. Wie sehr sehnen wir Musiker und Sänger uns nach diesem eingebettet, verstanden und behütet sein.

Chor und Orchester zusammen wuchsen über sich hinaus

In dieser Kraft des Chores ist dann auch das Orchester über sich hinaus gewachsen. Es entstand ein wunderbarer Klangkörper von Harmonie, Schwingung und Stimmung, wie ich das vorher so überhaupt noch nicht erlebt habe. Professionelle Höchstleistungen und Erfolge durfte ich viele erleben, aber niemals etwas von dieser harmonischen Schönheit.
Einen so einheitlichen, wunderbaren Gesamtklangkörper schaffen wirklich nur Freunde, die alle mit großer Liebe für eine göttliche Sache ihr Bestes geben. Keiner ragt heraus, jeder gibt mit allem Herzblut sein Bestes. Jeder mit all seiner Liebe, alle im absoluten Einklang für die gleiche Sache.

Um mich herum gingen immer mehr Hände auf, der Raum füllte sich langsam immer mehr mit Liebe und Harmonie. Es war, als ob jemand die Türen aufgestoßen hätte und reine, warme Liebe und Kraft den Raum durchströmte. Es war sehr viel Engagement, Freude und Frohsinn dabei, völlig entgegen meiner Erfahrung in einem Profiorchester.
Während der ganzen Aufnahmezeit floss die Kraft immer stärker, überall offene Hände und nur liebevolle Gesichter um mich her­um. Dann begannen nach dieser Probe die ersten Aufnahmen auf einem ganz hohen musikalisch-künstlerischen Niveau.

Mein Leben als Musiker

Musiker zu sein ist ein schöner Beruf, aber in den Spitzenorchestern gnadenlos. Es herrscht ein harter Konkurrenzkampf in den Orchestern, alle sind angespannt, nervös und gereizt, weil man ja immer der Beste sein muss. Alles ist der absoluten Perfektion unterworfen. Ein permanenter Kampf ums Bestehen, gegen das Versagen.
Ich dachte an meine jahrzehntelange Berufserfahrung, an international beste Chöre, die wiederholt zum besten Opernchor der Welt gekürt wurden. Natürlich sind im Profichor alle Stimmen ausgebil­det und er besticht durch seine Perfektion. Jedoch hat dieser Chor des Bruno Gröning-Freundeskreises etwas ganz, ganz Beson­deres. Diese kraftvolle Harmonie, dieser Reichtum an Farbe, an Kraft, an Schwingung, an Stimmung, das schafft kein Profichor.

Situation der Sänger im Profichor

Kaum jemand, der in einem Opernchor der Weltklasse singt, hat nur Gesang studiert, um später in ei­nem Chor zu singen. Jeder Sänger ist eine ausgebildete Solostimme. Jeder hat ein langes Studium hinter sich, alle sind hoch perfektioniert. Aber irgendwann einmal hat ihnen ihr Professor, oder beim Abschlussexamen, oder der Kapellmeister beim ersten Vorsingen, oder während des ersten Engagements gesagt, ihre Stimme wäre zu klein oder das Timbre (Klangfarbe) passe nicht, aber der Chor wäre etwas für sie.

Das muss man diesen Menschen nachfühlen, alle wollten eine solistische Karriere ma­chen und finden sich dann im Chor wieder. Alle haben hervorragende Stimmen mit exzel­lenter Ausbildung, haben aber das eigene, hoch gesteckte Ziel nicht erreicht, als Solostimme aner­kannt zu werden. Sie sind den Solisten gegenüber und unter sich oft die schärfsten Kritiker, was zu einem gnadenlo­sem Kampf untereinander führen kann. Sie sind im Opernensemble die Schwerarbeiter, haben ein riesiges Repertoire und stehen bei vielen Opern den ganzen Abend auf der Bühne. Oft müssen sie bei oder zwischen den Chorauftritten als Statisten in darstellerischer Funktion mitwirken. Das bedeutet immer wieder neu schminken, neue Kostüme, andere Rollen. Das zehrt und hemmt natürlich die Homogenität in einem Chor.

 

Was die Freunde für die Musikaufnahmen leisten und erleben

An diesem Aufnahmewochenende trafen sich in Chor und Orchester etwa 130 Freunde. Keine Diven, keine Konkurrenten, keine erbitterten Feinde. Aus meiner Erfahrung völlig undenkbar. Kein Neid, keine Eifersucht, keine Missgunst, kein Ärger um Proben und Aufnahmezeiten, kein Ärger mit dem Kapellmeister … und keine Gage.

Wie bei diesen Chor- und Orchesterwochenenden üblich wird am Tag über neun bis zehn Stunden intensiv gearbeitet, d. h. gesungen, musiziert, aufgenommen usw., um einige Minuten Musik zum Einstellen auf CD zu bekommen. Es wird wirklich bis zum letzten Augenblick um die qualitativ beste, schönste, wertvollste und kraftvollste Aufnahme gerungen. Und das `nur´, damit sich die Freunde zu Hause besser einstellen können? Unglaublich, aber wahr, ich war dabei. Die Aufnahmen gingen an einem Tag bis zur totalen Erschöpfung, ca. 10 Stunden. Das kann kein anderes Ensemble, das geht nur mit dieser göttlichen Kraft.

Unglaubliche Hilfe während der Aufnahmen

Am Ende eines fast zehnstündigen Aufnahmetags war bei mir eigentlich Feierabend. Bei einem Bläser wird die Muskulatur der Lippen nach einer gewissen Spielzeit steif, da geht gar nichts mehr. Gleiches gilt für die Stimmbänder bei den Sän­gern.  
Deshalb wollte ich die Aufnahmen abbrechen und eine Pause erzwingen. Die Bläser spielen dann üblicherweise ein paar falsche Töne hinein, damit der Kapellmeister endlich mal inne hält und fragt, was ist da eigentlich? Antwort: „Pause, kann nicht mehr“.

Aber irgendwie konnte oder wollte ich das nicht, weil ich gesehen habe, dass alle noch dastanden, hochkonzentriert, wirklich bis zum letzten Augenblick. Da habe ich Hilfe suchend herumgeschaut und sah hinter dem Dirigentenpult ein Bild von Bruno Gröning. Was ich bis zu dem Zeitpunkt noch nie gemacht hatte: ich schaute das Bild an und sagte gedanklich: „Bitte Bruno hilf, das ist deine Aufnahme, lass mich jetzt nicht hängen!“
Dann geschah et­was Unglaubliches. Meine Lippen waren auf einmal wieder geschmeidig und hatten die nötige Kraft, so als hätte ich mich gerade erst eingespielt.

Mein zweites Chor- und Orchesterwochenende

Im Frühjahr 2012 war mein nächstes Chor- und Orchesterwochenende. Es war für mich ein noch größeres Erlebnis als das erste Aufnahmewochenende. Durch kurzfristige Terminänderungen kamen so viele Absagen, dass es schwierig wurde, das Wochenende überhaupt durchzuführen. Der Termin drohte schon ganz zu kippen. Daraufhin habe ich die Erfahrungen meines ersten Orchesterwochenendes in einem kleinen Erlebnisbericht beschrieben, der dann an die Musiker und Sänger verteilt wurde.

In Folge dieses Erfahrungsberichts sagten noch viele sehr kurzfristig zu. Die Freunde ka­men am Aufnahmeort auf mich zu, teilweise mit Tränen in den Augen, und bedankten sich für den Bericht, den ich geschrieben hatte. Viele hatten wirklich noch im letzten Augenblick zu­gesagt und waren einfach gekommen. Sie hatten es irgendwie doch noch möglich gemacht. Das hat mich so berührt. Auch die Familie M., Profimusiker, kam, obwohl sie zeitlich eigentlich gar nicht konnte. So hatten wir in diesem Frühjahr eine hervorragende Besetzung. Auch der Chor war stark vertreten und sang noch besser als bei meinem ersten Chor- und Orchesterwochenende. Jede Stimmlage für sich war besser besetzt und klang noch mehr wie eine einzige, kraftvolle Stimme.

Dieser Geist des Zusammenhaltens war diesmal noch stärker und wieder ein ganz enormes Erlebnis. Das gab noch mehr Kraft und Harmonie. Wenn ich mir die unbearbeiteten Aufnahmen vom letzten Herbst anhöre und diese neuen damit vergleiche, dann empfinde ich bei den neuen Aufnahmen eine erstaunliche Steigerung der Qualität und spüre eine ganz gewaltige Kraft.

Körperliche und psychische Belastung im Orchester

Bereits 1998 hatte ich aus beruflichen Gründen auf dem rechten Ohr einen Gehörsturz er­litten. Für Musiker nichts Ungewöhnliches.

Man muss sich vorstellen, dass bei guten Musikern das Gehör von Kindheit an immer auf Höchstleistung arbeitet. Man hat nicht nur die übliche Lärmbelastung, die alle Menschen ertragen müssen, sondern zusätzlich das spezielle differenzierte Hören im musikali­schen Bereich. Und das nimmt im Laufe des Lebens einen immer größeren Umfang an und wird immer mehr geschult. Es ist die Voraussetzung für jegliche Arbeit und jeglichen Erfolg in diesem Me­tier. Später im Beruf ist die Belastung immens. Höchste Qualifikation und der für diesen Beruf typische Leistungsdruck tun ihr Übriges.

Siehe auch > PDF-Datei "Pille und Promille im Orchestergraben"

Ich habe nie über den Gehörsturz reden können. Nur meine allernächsten Freunde und ganz besondere Kolle­gen wussten davon. Ich wusste auch, dass in unserem Orchester einige Kollegen von Gehörstürzen betroffen waren. Aber da beißt jeder die Zähne zusammen und keiner spricht darüber, weil das sofort als Schwäche ausgelegt und ausgenutzt werden würde. Das kann sich keiner erlauben.

Musikalische Höchstleistung trotz Gehörsturz

Ich wurde in Folge dieses Gehörsturzes mit Infusionen behandelt und es wurde dadurch wieder etwas besser. Aber mein behandelnder Univ. Prof. Dr. M. G. sagte: „Na ja, aber auf den nächsten Gehörsturz können Sie eigentlich schon warten.“ Der kam dann auch im Jahre 2005 mit der Folge, dass mein rechtes Ohr wie taub war. Audiogramme (Hörvermögen bei verschiedenen Tonfrequenzen) ergaben nur noch ganz geringe Hörwerte. Ich hörte erst ab 80 dB Lautstärke etwas, das entspricht fast einem Presslufthammer. Also nur noch bei voll aufgedrehten Lautspre­chern habe ich auf diesem Ohr etwas hören können.

Durch hartes Training Tag und Nacht habe ich versucht, mein Gehör auszugleichen, da­mit ich im Beruf keine Schwierigkeiten hatte. Es war aber sehr schwer für mich. Mit diesem Handikap musste ich die letzten Berufsjahre durchstehen. Das Hören war wetterbedingt mal besser, mal schlechter. Das gesunde, linke Ohr musste eine immense Arbeit leisten, weil es immer den Hörverlust des rechten Ohrs ausgleichen musste.

Die dafür notwendi­ge Konzentrationsleistung strengte mich so sehr an, dass ich immer wieder schwere Migrä­neanfälle bekam und jeden Tag mehr litt.

Auch außerhalb meines Berufes gab es Einschränkungen im täglichen, v. a. sozialen Leben. In Unterhaltungen drehte ich mich im­mer mit dem gesunden linken Ohr zum Gesprächspartner, um besser hören zu können. Wenn es möglich war, setzte ich mich sogar am Tisch um. Gesprächen mit mehreren Per­sonen am Tisch oder in lockerer Runde konnte ich kaum folgen, daher schaltete ich meis­tens komplett ab und hörte einfach gar nicht mehr zu. Auch bei Radio und Fernsehen drehte ich immer mein linkes Ohr der Schallquelle zu.

Meine große Heilung

Mit diesem Handikap bin ich natürlich auch im Frühjahr wieder zu den Aufnahmen gefahren. Mein Hörvermögen hatte in der Vorbereitungszeit auf das Chor- und Orchesterwochenende wieder einmal einen Tiefpunkt erreicht. Ich bekam selbst große Bedenken, die Aufnahmen überhaupt machen zu können. Plötzlich, bei der Fahrt im Auto zum Aufnahmeort, fielen mir beide Ohren zu. Bei den Proben wurde es noch schlimmer. Ich konnte auch mit Druckausgleich die Ohren nicht mehr frei machen. Sie blieben kontinuierlich zugefallen. Ich hörte nur noch wie durch dicke Wattebäusche.

Wie schon im Herbst 2011 war das Orchester bei der Probe zuerst alleine und der Chor kam später hinzu. Wieder wurde über acht, neun Stunden gearbeitet, d. h. geprobt und Aufnahmen gemacht. Zum Schluss sollte zur Sicherheit noch ein ganzer Durchlauf der Aufnahme gemacht werden. Es stellte sich später heraus, dass diese Schlussaufnahme seltsamerweise die beste war. Normalerweise ist es umgekehrt, da sich die Ermüdung der Musiker und des Chores im Laufe des Tages bemerkbar macht.

Wir Bläser waren erschöpft und wollten ei­gentlich eine Pause, aber wir haben trotzdem weitergemacht, weil alle durchgehalten haben und auch an diesem Tag fertig werden wollten. Hinter mir im Chor standen einige Freunde ganz dicht um eine Freundin herum und ich bemerkte, dass die sich jetzt ganz fest für uns Bläser einstellten. Ich dachte, es wird schon gehen.

Als danach der Chor einsetzte, flogen meine Ohren auf und plötzlich hatte ich ein schmerzhaft schepperndes Hören, so als wären zwei aufgedrehte Lautsprecherboxen dicht an meinen Ohren. Da dachte ich: „So, vielen Dank, jetzt verabschiedet sich auch noch das gesunde Ohr.“ Denn so passieren die Gehörstürze üblicherweise. Der Chor wurde leiser im Gesang und ich bemerkte, dass beide Ohren offen blieben. Das hielt auch nach Abschluss der Aufnahmen an.

Musiker im Bruno Gröning-Freundeskreis

Die Heilung hält an

Als wir danach zum Hotel gefahren sind, habe ich immer wieder geprüft, ob es noch geht. Nichts habe ich davon erzählt, nicht auf der Fahrt nach Hause, auch nicht meiner Frau. Ich dachte, das kann doch nicht sein, dass nach 14 Jahren meine beiden Ohren wieder perfekt hören.

Ein paar Tage habe ich noch gewartet und es dann so nebenbei erzählt. Meine Frau sagte: „Du hast eine Heilung bekommen!“ „Pssst… Erst mal will ich ein Audiogramm machen lassen“, antwortete ich ihr. Das Audiogramm wurde gemacht. Das Ergebnis ist unfassbar. Beide Ohren sind ganz gleich auf schöner gerader Linie zwischen fünf und zehn dB, als ob nie etwas gewesen wäre. Die Heilung hält an, alles ist ganz normal. Ich bin überglücklich und dankbar.

Kindergemeinschaftsleiter

Im Dezember 2011 war ich zum ersten Mal auf der Schulungswoche des Bruno Gröning-Freundeskreises in Geseke. Dort wur­den wir von unserer Gemeinschaftsleiterin gefragt, ob wir Kindergemeinschaftsleiter wer­den wollen? Beide haben wir natürlich erst einmal gesagt: „... nachdenken ...“.
Als wir dann auf der Heimfahrt im Auto saßen, waren wir uns sofort einig, dass wir das gerne wollten.
Am nächsten Tag haben wir dann unsere Zustimmung gegeben. Nun haben wir „die beste“ Kindergemeinschaft auf der Welt, wir haben die liebsten Kinder, ganz liebe Eltern und es macht uns eine große Freude, diese Aufgabe tun zu dürfen. Ganz besonders für mich nach einer so schweren Kindheit. Eine wunderbare Sache – Danke.

Schlussworte

Diese neuen Ereignisse bewegen mich zutiefst und haben mein ganzes künstlerisches Selbstverständnis verändert. Hätte ich doch den Weg zu Bruno Gröning eher gefunden; wie anders hätte mein Leben sein können. Neue Horizonte sind da für mich und mei­nen Beruf aufgegangen. Ich kann mir keinen besseren Freund als Bruno Gröning vorstellen. Auch für meinen Glauben an Gott, den ich hier wieder bekommen habe, bin ich sehr dankbar.