Wissenschaftler kommen zu Wort
Wenn innere Ruhe da ist, gelingt alles. Ich liebe die Ruhe, die Ordnung und den Frieden. Bei Unruhe entsteht Unordnung und Unfrieden.
Wenn innere Ruhe da ist, gelingt alles. Ich liebe die Ruhe, die Ordnung und den Frieden. Bei Unruhe entsteht Unordnung und Unfrieden. Bruno Gröning
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Wie ich Musik auf eine neue Art zu erleben begann

Bericht von Stefania R., Archäologie-Studentin (2013)

Im Alter von vier Jahren begann ich Geige zu spielen

Für mich war es obligatorisch, dieses Instrument zu erlernen, da meine Mutter Berufsgeigerin war. Zuerst mochte ich das Geigespielen, aber bald übte ich nur noch, weil meine Familie es von mir verlangte. Technisch beherrschte ich die Geige gut, aber ich fand überhaupt keinen eigenen Zugang zur Musik. Die Ansprüche, die von meiner Umgebung an mich gestellt wurden, waren sehr stark leistungsorientiert, und es stand vor allem die Frage im Vordergrund, ob ich beim nächsten Wettbewerb die Weiterleitung zur nächsthöheren Stufe erreichen würde. Musik praktizierte ich also nicht um der Musik willen, sondern allein im Hinblick auf den Erfolg. Darum konnte ich auch nie in meinem Herzen fühlen, was ich da spielte.

Schwierige Zeiten

Mit den Jahren bekam ich immer stärkere Panikattacken, wenn ich auf der Bühne stand. Dabei war der gesamte Notentext wie aus meinem Kopf gelöscht. Nach über zehn Jahren, in denen ich mich zum regelmäßigen Üben zwang, setzte ich endlich einen Schlussstrich und hörte mit dem Geigenspiel ganz auf.

Im Jahre 2009 eskalierte die schlimme Situation in unserer Familie so sehr, dass meine Mutter zusammen mit mir in ein Frauenhaus flüchtete. Wir konnten nur wenig Gepäck mitnehmen, nur das Allernötigste zum Überleben, da wir nicht wussten, was uns erwartete und wohin wir kommen würden. Sämtliches Hab und Gut, darunter auch alle Instrumente, verblieben bei meinem Stiefvater. Nach der Flucht war es uns nicht möglich, unseren Besitz zu unserem neuen Aufenthaltsort zu holen. Aus Angst vor ihm trauten wir uns nicht, die Sachen zurückzufordern, und standen vor einem Neuanfang. Erst im Jahre 2011 gelang es uns, in eine eigene Mietwohnung zu ziehen.

Ein Neubeginn mit der Lehre Bruno Grönings

Eine Bekannte meiner Mutter erzählte uns von Bruno Gröning.
Seitdem hat sich unser Leben stark verändert. Durch viele Hilfen und Führungen lernten wir, Bruno Gröning zu vertrauen. Der Berg der auf uns lastenden Widrigkeiten und Probleme löste sich Stück für Stück in Luft auf. Dazu gehörten u. a. tiefe Konflikte in der Familie, erhebliche finanzielle Probleme (meine Mutter musste Insolvenz anmelden und das Verfahren war unnötig erschwert worden) und Schwierigkeiten mit Behörden, welche ohne unser Verschulden zustande gekommen waren. Seit wir begonnen haben, uns für diese Angelegenheiten einzustellen, erleben wir, wie in der Familie der Frieden einkehrt und das Verhältnis harmonisch wird. Die Behörden reagieren mit Kulanz und es finden sich stets einfache, angenehme Lösungen für alle Situationen, auch finanziell.

In der Jugendgemeinschaft Berlin gibt es neben den Gemeinschaftsstunden zusätzlich regelmäßige Sing- und Musizierstunden. Wer kann, bringt ein Musikinstrument mit, alle anderen singen im Chor dazu. In einer dieser Musikstunden saß ich eines Tages da und schaute den Musikanten zu, wie sie ihre Instrumente auspackten und stimmten. Zum ersten Mal nach langen Jahren spürte ich eine Sehnsucht danach, ein Instrument in den Händen zu halten. Damals konnte ich mir noch nicht vorstellen, jemals wieder Geige zu spielen. Stattdessen überlegte ich, Unterricht zum Lautenspiel zu nehmen. Obwohl ich mich lange Zeit ständig dafür einstellte, ergab sich allerdings keine Möglichkeit, eine Renaissancelaute zu finanzieren, und ich gab den Gedanken daran wieder auf.

Zurück zur Geige

Durch regelmäßiges Einstellen spürte ich immer deutlicher, dass es in meiner Seele Wünsche und Bedürfnisse gab, die durch Ängste und schlechte Erfahrungen unterdrückt waren. Diese Bereiche meiner Persönlichkeit wurden nun behutsam wieder freigelegt. Das heißt, ich fand Stück um Stück zu mir selbst zurück.

Im Laufe der folgenden Monate tauchte dann immer öfter der leise Gedanke auf, dass ich vielleicht doch wieder Geige spielen könnte. Irgendwann gestand ich mir ein, dass es in meiner Seele auch einen Knoten gab, der mit der Geige zusammenhing, und dass dieser Knoten aufgelöst werden musste.
Genau passend dazu bot mir die Musizierleiterin unserer Gemeinschaft an, zur nächsten Berlin-Tagung die alte Geige ihres Sohnes mitzubringen, damit ich dort spielen könne. Das war genau der „Trigger“ zur richtigen Zeit, den ich noch brauchte, um die stummen Gedanken in die Tat umzusetzen.

Als ich dann diese Geige auf der Tagung in die Hände bekam, stellte sich heraus, dass wichtiges Zubehör fehlte (Schulterstütze, Kolophonium) und dass die schon geraume Zeit nicht bespielten Saiten sich während des Spielens stark verstimmten. So war es mir nicht möglich, in der Qualität zu spielen, wie ich es eigentlich konnte. Die Geige rutschte mir ständig von der Schulter und alles klang schief und kratzig, egal, wie sehr ich mich auch bemühte.

Damit war jedoch genau der tiefe Schmerzpunkt in mir getroffen, der mir so viele Jahre die Möglichkeit genommen hatte, beim Musizieren innerlich loszulassen und mich dem Gefühl beim Spielen hinzugeben. Es war die Angst, Fehler zu machen, auf der Bühne zu stehen und ein schlechtes Spiel abzuliefern. Bei Wettbewerben bedeutete das sofort Punktabzug, und über all die Jahre hatte mich diese Angst blockiert.

Zuerst war ich frustriert, fühlte mich hilflos und wie ins kalte Wasser geworfen, bis ich verstand, dass ich jetzt die Chance hatte, dieses alte Muster zu durchbrechen – wo sonst, wenn nicht hier mitten auf einer Tagung, wo die göttliche Kraft mich erfüllen und mir dabei helfen konnte? Also entschloss ich mich, einfach mein eigenes Gefühl kommen zu lassen, selbst wenn das bedeutete, dass sich meine Spielqualität noch weiter verschlechtern würde.

In diesem Moment verstand ich intuitiv, dass es ein Fehler war, sich zu kontrollieren, und dass ich mich einfach nur auf die Gefühle zur Musik einlassen musste. Ich ließ es zu und spürte den Unterschied – nicht nur, dass der Klang voller wurde, sondern ich sah auch in den Gesichtern der Zuhörer, dass sie tief bewegt waren. Das half mir und gab mir Bestätigung.

Nach dieser Erfahrung begann ich, mich für eigene Geigen, für meine Mutter und für mich einzustellen. Ich tat es ohne besondere Erwartungen, mehr so nach dem Motto: „Warum nur für eine Geige einstellen, wenn wir doch zu zweit sind?“
Einige Wochen später forderte mich meine Gemeinschaftsleiterin während der Stunde auf, etwas über die Berlin-Tagung zu berichten. Das irritierte mich zuerst, da eigentlich in der vorherigen Stunde schon ausführlich über diese Tagung berichtet worden war. Um nicht zu wiederholen, was schon gesagt wurde, erzählte ich vom oben geschilderten, befreienden Erlebnis während des Geigenspielens auf der Tagung und von der Befreiung, die es in mir ausgelöst hatte.

Musikerin im Bruno Gröning-Freundeskreis

Zwei Geigen

Kurze Zeit danach sprach mich eine Frau aus einer anderen Gemeinschaft an, die ich zwar vom Sehen her kannte, mit der ich aber noch nie gesprochen hatte. Sie hatte meinen Bericht über jenes Erlebnis auf der Tagung gehört, erzählte mir, dass ihre Eltern bei sich noch zwei Geigen liegen hätten, die sie verschenken wollten, und fragte mich, ob ich daran Interesse hätte.

Ihre Eltern hatten schon vor Jahrzehnten mit dem Geigenspielen aufgehört und würden die Geigen gerne in gute Hände geben.

Ich war etwas perplex, hatte aber das tiefe, ruhige Gefühl, dass mein Freund Bruno Gröning dahintersteckte. Wir machten aus, uns nochmal dafür einzustellen, ob es richtig sei. Beim Einstellen hatte ich dann den leisen Gedanken, dass die Geigen unser Weihnachtsgeschenk von Bruno Gröning sein würden.

Auf der anderen Seite wollte ich so ein Geschenk von diesen zwei Menschen nicht annehmen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Ich bat Bruno also um die richtige Gegengabe für die Geigen.

Kurz darauf begegneten wir uns auf der regionalen Kinderweihnachtsfeier wieder. Von dort aus rief die Frau spontan ihre Eltern an, und im Anschluss kamen wir zu ihnen zu Besuch. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde und war sehr positiv überrascht davon, wie gut die Geigen nach Jahren des Nichtbenutzens klangen, obwohl eine davon sogar längere Zeit im Keller gelegen hatte. Sofort fühlte ich mich mit den Geigen vertraut – viel besser als mit der Leihgeige.

Nachdem ich sie kurz angespielt und wieder in die Kästen zurückgelegt hatte, begann sich zwischen allen Beteiligten langsam ein Gespräch zu entwickeln. Irgendwann wurden die Gesprächsthemen sehr spirituell und die Stimmung intensiv und konzentriert. Wir merkten nicht, wie schnell es schon ein Uhr nachts geworden war. Als wir aufbrachen, war es, als wäre eine Hülle aufgegangen, in der wir alle gemeinsam gesessen und über geistige Themen gesprochen hatten. In meinem Inneren fühlte ich, dass genau dieses besondere Gespräch die Gegengabe für die Geigen gewesen war. Ich verstand, dass es sich nicht nur um den Austausch von materiellem Gut unter Menschen handelte, sondern dass hier beides von Gott geschenkt worden war: Die Geigen, wie auch das stimmungsvolle Gespräch.

Ich erhielt die Geigen mitsamt Koffern und Bögen. Es waren nur wenige Dinge an ihnen zu überarbeiten bzw. zu ergänzen.

Für mich ging es bei diesem Geschenk nicht nur um die finanzielle Hilfe, denn zwei Geigen in der entsprechenden Qualität zu kaufen, wäre für unsere Verhältnisse völlig undenkbar gewesen. In unserem Bekanntenkreis und auch in meiner Familie hatte noch niemand davon gehört, dass jemand von „Fremden“ einfach so zwei (!) Geigen geschenkt bekommen hätte. Alle Musiker, denen wir davon erzählten, konnten es kaum glauben.

Vielmehr geht es mir darum, dass Bruno und Gott mich wieder zum Geige Spielen geführt und mir den Zugang zu diesem Instrument in der Tiefe meiner Seele geschenkt haben. Auch meine Mutter musiziert nun auf Tagungen des Freundeskreises mit ihrer Geige mit.

Chor- und Orchesterwochenende im Bruno Gröning-Freundeskreis

Im Mai 2013 habe ich erstmalig an einem Chor- und Orchesterwochenende im Bruno Gröning-Freundeskreis teilgenommen. An diesen zwei sehr arbeitsreichen Tagen war deutlich zu spüren, dass es hier um etwas Höheres geht und dass die Musiker eine ganz andere Einstellung zum Musizieren haben, als ich es aus anderen Orchestern gewohnt war.

Von Anfang an stellten sich alle Anwesenden für die Musik und die Aufnahmen ein. Als das aufzunehmende Stück letztmalig durchgespielt wurde, empfand ich es so, als wären alle wirklich eins. Ich war so stark erfüllt von Kraft und Freude, dass ich an beiden Tagen, auch bei den Mahlzeiten, kein Verlangen nach Essen hatte und entsprechend fast nichts aß. Erst gegen Ende der Rückfahrt – ich kam gegen 2 Uhr nachts mit dem Zug an – bekam ich langsam wieder Appetit. Die ganze Zeit über fühlte ich mich kraftvoll und glücklich.

Die Musik, die auf den Orchesterwochenenden entsteht, behält diese Kraft auch auf der CD. Ich spüre das jedes Mal, wenn ich die Musik beim Einstellen auflege. Darum hat sie auf viele Menschen auch eine so starke Wirkung.

Bei diesem Orchesterwochenende habe ich auch eine Heilung erlebt:

Etwa seit meinem 15. Lebensjahr hatte ich eine Überempfindlichkeit gegen Kälte an meinen Füßen. Sobald ich auch nur ganz kurz barfuß lief – selbst im Sommer auf einer sonnenbeschienenen Wiese – brachen Erkältungssymptome aus, und ich hatte Fieber, Halsschmerzen, starken Schnupfen und musste im Bett liegen. Nach einer Woche waren die Symptome dann zum größten Teil wieder vorbei. Der Hausarzt diagnostizierte mir dann stets einen grippalen Infekt und verordnete drei Tage Bettruhe.

Ich musste sogar in Socken schlafen (was ich überhaupt nicht mochte), weil die Gefahr bestand, dass meine Füße während des Schlafes unter der Bettdecke hervorkamen und abkühlten. Auf kaltem Boden barfuß zu laufen, kam überhaupt nicht in Frage.

Wenige Tage vor diesem Orchesterwochenende brachen bei mir wieder die Symptome von Erkältung aus, die sich am Anreisetag so stark verschlimmerten, dass ich mich quasi auf allen Vieren dorthinschleppte. Am nächsten Tag waren die Symptome jedoch plötzlich vorbei und ich konnte normal spielen.
Etwa zwei Wochen später merkte ich, dass ich auf einmal auch auf kaltem Fliesenboden laufen konnte, ohne dass sich irgendwelche Erkältungssymptome zeigten. Das ist bis heute so geblieben. Ich kann auch an kühleren Tagen barfuß durch Regenpfützen laufen usw. und fühle mich dabei sehr gut!

Musizieren im Freundeskreis

Zu den Tagungen im Freundeskreis bringe ich nun immer meine Geige mit, um dort bei der Zwischenmusik mitzuspielen. Das genieße ich, weil die Musik dort auf mich wie ein Träger der göttlichen Kraft wirkt, auf den ich mich besonders gut einlassen kann.

Ich glaube, dass wir Menschen umso feinfühliger werden, je feiner die Dinge sind, die wir in uns aufnehmen. Wer z. B. nur grobe, brachiale Musik hört, der verliert die Fähigkeit, feine Schwingungen wahrzunehmen. Diese Wandlung hin zu tieferer Empfindungsfähigkeit habe ich selbst erlebt.

Für mich gehört die Musik im Freundeskreis zu jener Art von Musik, die den Menschen hilft, solche Feinfühligkeit wiederzugewinnen, denn die Komponisten verbinden sich sehr bewusst mit dem Guten und bitten um Göttliche Inspiration, wenn sie komponieren.

Sich in solche feine Musik zu vertiefen hilft uns, mehr und mehr zu verstehen, was Gott eigentlich ist und wie unglaublich schön es ist, sich mit ihm zu verbinden.

Musik hat eine sehr große Kraft und die Menschen sollten sorgfältig auswählen, welche Musik sie auf sich wirken lassen.

Danke aus ganzem Herzen

Mittlerweile ist mir klar geworden, dass Gott uns Menschen die Musik geschenkt hat, um in unseren Herzen Gefühle wachzurufen, die Worte allein nicht wachrufen können. Dazu braucht es einen geschützten Rahmen und eine Musik von dieser ganz bestimmten Art.

Für die großartigen Führungen danke ich Gott und Bruno Gröning aus ganzem Herzen.